Leserbrief zur Neugestaltung des Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Emden
Erschienen am 22. November 2005 in der Ostfriesen Zeitung und der Emder Zeitung



„Namens der Stadt danke ich allen denen, die mitgewirkt haben, dieses würdige Denkmal für die zu schaffen, die ihr Leben für uns ließen. Wir versprechen ihnen, das Denkmal in unseren Schutz zu nehmen und zu erhalten zum ferneren Gedächtnis unserer Toten.“

Diese Worte sagte Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Mützelburg am 26. November 1922 anläßlich der feierlichen Enthüllung des Denkmals für die Emder Gefallenen des Ersten Weltkrieges 1914-18. Schon seit einiger Zeit waren die nun - pünktlich zum Volkstrauertag 2005 -  ausgeführten Maßnahmen zur Restaurierung des Ehrenmals auf dem Wall dringend notwendig.
Das dies endlich geschehen ist, kann man nur begrüßen.
Doch was ist das? Dünne, mit schwarzen Lettern versehene Plexiglasscheiben!, die mittels Edelstahlschrauben kurzerhand auf den altehrwürdigen sächsischen Sandstein gedübelt wurden, ersetzen nun die ursprünglichen Inschriften und Namen. Beim Anblick dieser aus meiner Sicht äußerst geschmacklosen und mißlungenen „Restaurierung“ des alten Ehrenmals frage ich mich, ob man das nicht auch würdig und restauratorisch fachgerecht hätte lösen können. Mit Denkmalschutz hat diese Renovierung wohl nicht viel zu tun.

Durch meine Forschungen als „Hobbyhistoriker“ in bezug auf Gefallene des Ersten Weltkrieges habe ich in den letzten Jahren fast alle ostfriesischen Kriegerdenkmäler aufgesucht. Über Geschmack läßt sich ja bekanntlich streiten. Meines Erachtens aber ist das Emder Ehrenmal in dieser unästhetischen Form nun in ganz Ostfriesland einzigartig.
Ich denke, Herr Dr. Mützelburg und alle seine Mitstreiter, die nach 1918 für die Errichtung dieses Ehrenmals - „den Gefallenen zum Gedächtnis und den Lebenden zur Erinnerung“ -  gearbeitet haben,  würden bei diesem Anblick ihren Augen nicht trauen.


Hinrich Dirksen

Hinte
Vorsitzender
Historiker 1914 – 18 Verein zur Erforschung und Wahrung des Andenkens
an die deutschen Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges e.V.